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Das obere Lechtal - die letzte Wildflusslandschaft der Nordalpen
Der obere Lech in Tirol gilt als letzter Rest einer echten Wildflusslandschaft im ganzen Nordalpenraum. Seine Ufer sind oberhalb von Weißenbach noch nicht durch Baumaßnahmen verändert, so dass der Fluß sich auch heute noch von Zeit zu Zeit ein neues Bett suchen kann. Hierdurch entsehen immer wieder neue Kiesbänke und Feuchtflächen unterschiedlichster Art. Die mit diesen dynamischen Prozessen verbundenen Veränderungen des Lebensraums sind wichtige Voraussetzungen für das Vorkommen vieler vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten.

Das Obere Lechtal bei Forchach (Tirol) zeigt noch alle Strukturen eines ungebändigten Wildflusses. Seine Wasser suchen sich immer wieder einen neuen Weg, lagern dabei ständig die Kiesbänke neu um und lassen ein von Jahr zu Jahr sich änderndes Mosaik aus unterschiedlichsten Feucht- und Trockenflächen entstehen.

Der in Deutschland ausgestorbene Zwerg-Rohrkolben (Typha minima), ein Spezialist für offene Schlammflächen in den Auen der Wildflüsse, findet sich im gesamten Nordalpenraum nur noch im Tiroler Lechtal.

Die Gefleckte Schnarrschrecke (Bryodema tuberculata) war früher auch auf offenen Sandflächen Norddeutschlands zu finden. Ihre letzten mitteleuropäischen Vorkommen befinden sich auf nahezu unbewachsenen Kiesbänken weniger Alpenflüsse, unter anderem am Oberen Lech bei Forchach. Bei ihren Balzflügen entfalten die Männchen ihre rosa gefärbten Hinterflügel und lassen ein weiches Flugschnarren ertönen.

Die Sibirische Azurjungfer (Coenagrion hylas) wurde erst vor etwa 50 Jahren in Bayern entdeckt, war aber bereits wenige Jahre später an ihrem einzigen deutschen Fundort verschwunden. Erst kürzlich glückten neue Funde im Tiroler Lechtal.